Tharandter Gespräche

Am Anfang stand...

diesmal keine Idee. Am Anfang stand Unverständnis. Warum gibt es so wenig Kontakte zwischen den Studenten forstlicher Fakultäten? Wie kann es eigentlich sein, dass in der forstlichen Praxis scheinbar jeder jeden kennt, aber der Nachwuchs nur auf dem eigenen Campus umherstreift?

Die Antworten sind simpel: Während sich Förster, Forstwissenschaftler und Waldbesitzer auf Fachtagungen treffen, sich gegenseitig neue Waldbilder, Bewirtschaftungs- und Inventurverfahren aufzeigen, gemeinsam Strategien entwickeln und Kontakte pflegen, sieht es bei den Studenten anders aus. Wir sitzen in den Vorlesungen mit den gleichen Menschen um uns herum, bei den immer gleichen Professoren, büffeln theoretisches Wissen für Prüfungen und werden kaum auf die Angebote des Forstvereins oder der Waldbesitzerverbände aufmerksam. Und wenn doch, dann ist gerade DIE spannende Exkursion zu teuer oder ausgebucht. Für motivierte Jungförster ist das enttäuschend und ein Problem.

Immer wieder tauchte die Frage auf: Wie können wir das ändern? Eine Lösung musste zum einen möglichst viele Studenten möglichst vieler Standorte zusammenbringen, zum anderen den Kontakt zu erfahrenen Praktikern herstellen. Erst jetzt kam die Idee ins Spiel und so langsam auch ins Rollen: Ein studentischer Kongress in der "Forststadt der Welt" Tharandt, dem Standort von Cottas Königlich Sächsischer Forstakademie. Und das Ganze "zielgruppenorientiert".

Was am Anfang nur tief in der Nacht unter vier Augen geäußert wurde, zog langsam seine Kreise und wollte schließlich ans Licht der Welt. Schnell fand sich ein hochmotiviertes, kompetentes Team, fast ohne Erfahrung, das sich sofort daran machte, andere von der Idee zu überzeugen. Frei nach dem weisen Mantra: "Der Weg ist das Ziel", gestaltete sich auch die Planung sehr studentisch, obwohl wir einen kleinen Hang zur Professionalität nicht vermeiden konnten.

Eine Anschubfinanzierung durch den FSR, Rückendeckung und materielle Hilfe durch die Fachrichtung, die Stadt und das Studentenwerk der Technischen Universität Dresden und die Unterstützung durch Sponsoren mussten eingeworben werden. Nicht immer hatten alle das (von uns auch noch nicht verdiente) Vertrauen in einen Erfolg, aber schließlich haben sich viele dazu durchgerungen, es uns im Voraus zu gewähren. Das Ende der Geschichte dürfte dem werten Leser bekannt sein. Die "Tharandter Gespräche" fanden jetzt bereits zum zweiten Mal in Folge statt, der dritte Anlauf wird gerade genommen. Auf unserem rückblickend gar nicht so holprigen Weg haben wir zufriedene Teilnehmer, Schirmherren, Unterstützer und nicht zuletzt Organisatoren zurück gelassen, um sie hoffentlich 2011 wieder einzusammeln. Wenn sie sich hoffentlich wieder in Tharandt versammeln, um zwischen Professionalität und studentischer Improvisation ein paar schöne und lehrreiche Tage zu verbringen, auf Exkursionen zu gehen und Kontakte zu knüpfen, die hoffentlich lange halten.
Autor: Klemens Köhler
Quelle: Tagungsband TG 2010